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Das Geheimnis - Teil 2

Das Geheimnis Teil 2

So heiß die Tage waren, so kalt konnten die Nächte werden. Doch Nikolaj, der seit vielen Jahren in den Weiten der Naoh-Wildnis unterwegs war, konnte dies nicht mehr überraschen. Er hatte ein kleines Feuer angezündet und saß auf dem Rest einer Mauer, geschützt von zwei einigermaßen intakten Wänden, über ihm der sternenklare Himmel, gespickt mit dem lausigen Rest des Mondes, der wie ein Mahnmal vergangener Zeiten am Firmament thronte.

Alles hatte seine Ordnung bei Nikolaj, nur so fühlte er sich wohl und einigermaßen vorbereitet. Neben ihm sein Rucksack, daran angelehnt sein Sturmgewehr. Links neben ihm sein Messer, welches ihm in unzähligen Kämpfen gute Dienste geleistet. Nur direkt vor ihm war etwas, das sonst keinen Platz in Nikolaj's Routine hatte: ein geöffneter Stoffbeutel in dem sich all das befand, was er an Erinnerungsstücken in den Ruinen seines Elternhauses gefunden hatte. Mit sechzehn war er damals von zuhause weg gegangen und die wenigen Dinge in dem Beutel waren - abgesehen von seinen Erinnerungen - alles was davon übrig geblieben war.

Er wischte ein wenig Dreck von einem alten Bild, welches sich in einem zerschundenen Rahmen befand und an einer Seite Verbrennungsspuren zeigte. Er konnte sich selbst als Junge sehen. Wie alt er genau auf dem Bild war wusste er nicht mehr. Vielleicht dreizehn oder vierzehn. Auf jeden Fall aufgenommen zu einer Zeit, in der die Welt noch nicht komplett Kopf gestanden hatte. Auf dem Bild hatte Nikolaj seinen Arm um seine jüngere Schwester gelegt und links von ihm war sein kleiner Bruder, zu dieser Zeit vielleicht sechs oder sieben Jahre alt. Er hatte ihnen immer eingebläut, dass er sie beschützen würde, so wie es ein großer Bruder zu tun hatte. "Versagt", flüsterte Nikolaj mit belegter Stimme und legte das Bild behutsam in den Stoffbeutel zurück.

Nikolaj atmete tief ein und versuchte an seine Eltern zu denken, die beide nicht auf dem Bild waren. Er hatte Mühe sich ihre Gesichter in Erinnerungen zu rufen, obwohl er noch genau wusste, wie seine Mutter gerochen hatte. Dieses schwere, süßliche Parfüm, dass sie sich jedes Jahr zu ihrem Geburtstag gewünscht und natürlich auch bekommen hatte. Er konnte noch ihr Lachen hören, laut und ehrlich. "Wenn sie jetzt hier wäre würde sie mir kräftig den Kopf waschen", sagte Nikolaj zu sich selbst. Der Anflug eines Lächelns huschte über sein Gesicht. Seine Mutter war immer pragmatisch gewesen und darauf fokussiert das zu tun was nötig war. Gefühlsduselei war nie ihr Ding gewesen. Ganz im Gegensatz zu seinem Vater, der dicht am Wasser gebaut gewesen war. Er war ein guter Mann, ein guter Vater gewesen, doch leider - das hatte Nikolaj erst später begriffen - mit der falschen Frau verheiratet.

Nur wenige Kilometer trennten ihn von seinem Ziel und er sagte sich, dass er später noch mehr als genug Zeit haben würde, um sich selbst mit der Vergangenheit zu quälen. Er schloss den Stoffbeutel und verstaute ihn in seinem Rucksack. Dann löschte er das Feuer, nahm seine Sachen auf und setzte sich in Bewegung. Straßenbeleuchtung gab es nicht und Nikolaj war sich sicher, dass es derlei Luxus allenfalls noch in Hirohito City oder vielleicht Eden zu finden war. Hier und jetzt mussten die Sterne und der Mond reichen, um den Weg der vor Nikolaj lag auszuleuchten. Zielsicher ging er in Richtung Nordwesten, wo sich früher das Industriegebiet von Nischyn befunden hatte. Heute sah es dort aus wie überall sonst: Trümmer, Pflanzen und Unrat. Hin und wieder konnte man jedoch das eine oder andere Juwel aus den Ruinen bergen und genau darauf war Nikolaj aus. Sein Auftraggeber war bisher alles andere als geizig gewesen und er war sich sicher, dass wenn die unterirdischen Geschosse des Rechenzentrums noch einigermaßen intakt waren, er gute Chancen hatte fündig zu werden.

Nikolaj blieb stehen als er ein Geräusch hinter sich hörte. Mit einer fließenden Bewegung nahm er das Sturmgewehr von der Schulter, ging in die Knie und zielte in Richtung der Geräuschquelle. Es war jedoch nichts zu sehen. Dann hörte er das Geräusch von herunterfallenden Steinen links von sich, doch auch dort konnte er nicht mehr entdecken als Dunkelheit. "Ich weiß, dass ihr in der Nähe seid", sagte Nikolaj und entsann sich an das kurze Scharmützel, dass er vor einigen Tagen hatte, wenige Kilometer von Nischyn entfernt. Er hatte gedacht, dass er die Pest auf vier Beinen in die Flucht geschlagen hatte, doch das Knurren hinter ihm belehrte ihn eines besseren.

Der nächste Teil erscheint am 26. März.