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Das Geheimnis - Teil 3

Das Geheimnis Teil 3

Langsam löste sich eine Silhouette aus den Schatten und kam mit fletschenden Reißzähnen auf Nikolaj zu. Der Luchs war nicht viel größer als die, die man vor der Naoh-Mutation kannte, doch Nikolaj wusste, dass das Exemplar welches er vor sich hatte, nicht zu den wenigen gehörte, die nicht mutiert waren. Vielleicht gab es gar keine mehr. Die kräftigen Hinterbeine, die beinahe so aussahen als würden die angespannten Muskelstränge herausplatzen wollen und der leicht veränderte Kiefer waren sichere Anzeichen.
"Deinen Kumpel habe ich schon um die Ecke gebracht", flüsterte Nikolaj, wohl wissend das der Luchs ihn hören konnte. Ob er die Worte auch verstehen würde das wusste er nicht, hielt es aber nicht für ausgeschlossen. Gerissenheit, Schläue und der Durst nach Rache: die Augen der Raubkatze waren Furcht einflößend, doch Nikolaj versuchte so gut es ging seine Angst nicht zu zeigen, auch wenn er wusste, dass sein Körpergeruch etwas anderes sagen musste.

Für einige Sekunden standen sich die beiden Kontrahenten einfach gegenüber. Dann hörte Nikolaj ein Geräusch hinter sich und er musste sich entscheiden, ob er einen Blick riskieren wollte oder nicht. Auch wenn sein Gehör bei Weitem nicht so gut ausgebildet war wie das eines Luchses, war er sich doch relativ sicher Pfoten zu hören, die so leise wie irgend möglich über das Geröll liefen. Innerlich verfluchte er sich dafür so naiv gewesen zu sein und zu denken der Luchs würde einfach so aus seinem Versteck kommen.
Das Rechenzentrum ist nicht mehr weit entfernt, dachte Nikolaj und legte sich in Windeseile einen Plan zurecht. Die Schritte hinter ihm kamen näher und er musste handeln. Der Luchs war immer noch vor ihm, fünf bis sechs Meter entfernt. Seine Reißzähne waren mittlerweile wieder unter seinen Lefzen versteckt und Nikolaj war sich sicher, dass wenn diese Ausgeburt der Hölle dazu in der Lage gewesen wäre zu lachen, würde sie das hier und jetzt tun. Kein nettes, freundliches Lachen. Nein. Ein Lachen, das hämisch wäre und Hass und Abscheu vermitteln würde. Nikolaj verwarf all seine Gedanken, machte eine Rolle rückwärts und kam so wieder in eine kniende Stellung, dass sein zweiter Kontrahent und Partner des Luchses nur noch knappe zwei Meter von ihm entfernt war. Es war ein Hund, ein großer Terrier mit bösem Blick, vielen Narben und gehöriger Angriffslust. Der Partner des Luchses. Ein Teil des Plans. Ein Bauernopfer!

Nikolaj benötigte nur den Bruchteil einer Sekunde, in der er den Köter einschätzte. Dann riss er sein Gewehr nach vorne, während er zum Sprint ansetzte. In der Bewegung schoss er zwei Mal. Eine Kugel traf den Hund in die Schulter, die andere direkt in den Kopf. Knochensplitter flogen durch die Luft und Nikolaj rannte durch die aufsteigende Blutfontäne während sein vierbeiniger Gegner jaulend zu Boden ging. Er hörte den Luchs hinter sich fauchen und schlug einen Haken nach links. Nur einen Augenaufschlag später landete der Luchs einen Fingerbreit rechts von Nikolaj. Er hatte keine Zeit mehr nachzudenken und konnte nur hoffen, dass das Raubtier genau so reagieren würde, wie er es eingeschätzt hatte.

Adrenalin schoss durch Nilkolaj's Körper und trieb ihn an schnell zu rennen. Er hörte seinen eigenen Atem, spürte sein Herz in seiner Brust schlagen, so hart das es drohte zu bersten. Hinter Nikolaj flogen kleine Steine und Unrat durch die Luft, als der Luchs nun ebenfalls seine Richtung änderte und sich wie eine Kanonenkugel nach vorne katapultierte. Nikolaj schrie, er spürte den Tod näher kommen, konnte die Krallen des Luchses beinahe schon in seinem Rücken spüren. Er wusste was dann passieren würde. Ein heftiger Ruck, ein kurzer Schmerz, dann wäre alles vorbei. Es kam jedoch alles andere und er fiel. Tief!

Mit der Brust schlug Nikolaj gegen den Rand des Loches. Der Aufprall rammte ihm all seine Luft aus den Lungen und er hörte eine Rippe brechen. Instinktiv rollte er sich zusammen, legte seine Arme über seinen Kopf. Dann schlug er unten auf und schrie vor Schmerzen. Als er jedoch nach einigen Augenblicken wieder klar denken konnte und der Schmerz nicht mehr übermächtig war, musste er laut lachen. Er sah den Luchs einige Meter über sich am Rand des Loches stehen, durch das er gefallen war. Nikolaj war noch am Leben, mehr noch, während er sich umschaute, stellte er fest, das er genau an diesem Platz gelandet war, zu dem er ohnehin wollte: das Untergeschoss des Rechenzentrums von Nischyn.

Der Luchs verschwand nach einigen Augenblicken, den er wusste verdammt gut das er oben, wie auf dem Silbertablett stand. Nikolaj wusste nicht, warum die Raubkatze nicht hinterher gesprungen war und es war ihm auch egal. Er war sich aber sicher, das sollte er hier wieder rauskommen, das Vieh auf ihn warten würde. Hier und jetzt hatte das aber keine Bedeutung. Er war erstmal sicher und am vorläufigen Ziel seiner Reise. Es kostete ihn einige Minute sich wieder zu berappeln und seine Ausrüstung einzusammeln und zu kontrollieren. Dann schaute er sich genauer um. Kabelbäume hingen von der zerstörten Decke und am Boden war ein wildes Durcheinander aus Metallschränken, Computerteilen und Mobiliar. Es sah aus als hätte eine unsichtbare Kraft alles in eine große Kiste gesteckt, mehrmals kräftig durchgeschüttelt und dann wieder ausgeleert.

"Scheiß Puzzle", schimpfte Nikolaj und holte eine zusammengefaltete und vergilbte Karte aus dem Rucksack, die die Infrastruktur des Rechenzentrums vor der Katastrophe zeigte. Es dauerte einige Minuten, doch nachdem Nikolaj einige der markanten Punkte identifizieren konnte, war er sich ziemlich sicher, wo genau er sich befand. Der Schein seiner Taschenlampe erhellte nur spärlich die Umgebung. Es wirkte wie ein Finger aus Licht, der immer und immer wieder in der wabernden Masse aus Dunkelheit herumstocherte. Es war mühselig, jeder Meter musste erkämpft werden, doch nach mehreren Stunden schweißtreibender Suche fand Nikolaj das, wonach er suchte, und stand vollkommen erschöpft vor einem zylinderförmigen Metallbehälter, der direkt aus dem Boden zu kommen schien.

Ohne weiter Zeit zu verschwenden, kramte er eine mobile Energiezelle und einen PDA aus seinem Rucksack. Mit wenigen Handgriffen hatte er eine Verbindung zwischen dem Energiespender und dem Zylinder hergestellt und er wusste, dass er nun schnell arbeiten musste. Der Strom würde nur für wenige Minuten reichen. Mit einem leisen Piepton bestätigte der Metallzylinder die Energiezufuhr und ein Seufzer der Erleichterung entfleuchte Nikolaj. Mit tausendfach geübten Handgriffen tippte er Kommandos in seinen kleinen elektronischen Helfer und stellte eine WiFi Verbindung her. Er hatte alle Sicherheitscodes bereits im Vorfeld von seinem Auftraggeber erhalten, sonst wäre es nahezu unmöglich gewesen in das virtuelle Innere des zylinderförmigen Computers zu schauen.

Mit einem Blick auf die Kapazitätsanzeige der Energiezelle - die Minute für Minute ein Stück abnahm - suchte er in der Verzeichnisstruktur des Computers nach dieser einen Datei, die über Erfolg oder Versagen bestimmen würde. Nikolaj spürte, dass er seinem Ziel nahe war und Schweiß ran an seinem Gesicht herunter. Er tippte hektisch auf seinem PDA herum und ein leises Warnsignal erinnerte ihn daran, dass die Energiezelle auf unter fünfzig Prozent Leistung gefallen war. "Da bist du", sagte er schließlich laut. Es war fast schon ein Jubelschrei. Mit einem kurzen Kommando begann er damit die Datei auf seinen PDA zu kopieren. Das Tempo, in dem die Fortschrittsanzeige voranschritt, kam der Geschwindigkeit gleich in der die Leistungsanzeige einer Energiezelle abnahm und obwohl er nicht an Gott glaubte, faltete er die Hände und sandte ein stummes Stoßgebet gen Himmel.

Die Energiezelle gab ein letztes Warnsignal von sich und schaltete sich schließlich ab. Im selben Moment erstarben alle Lichter und Geräusche in dem zylinderförmigen Computer. Nikolaj warf einen Blick auf sein PDA: Transfer erfolgreich! Er atmete tief durch und sank auf die Knie. "Danke", flüsterte er. Er war am Ziel seiner Suche. Die Arbeit war erledigt. Neugierig schaute er auf den Dateinamen, der kryptisch und nichtssagend war. Dann entschied er sich dazu einen Blick zu riskieren und öffnete die Datei.