Login
banner_webseite_142.pngbanner_webseite_143.pngbanner_webseite_141.pngbanner_webseite_145.jpgbanner_webseite_146.jpgbanner_webseite_001.jpgbanner_webseite_13.jpgbanner_webseite_144.png
Fehler
  • JUser: :_load: Fehler beim Laden des Benutzers mit der ID: 47

Das Geheimnis - Teil 1

Nischyn war von dem Mondfall genauso betroffen gewesen wie alle anderen Städte, nicht nur in der Ukraine, sondern überall auf der Welt. Es stand so gut wie nichts mehr, Trümmer so weit das Auge reichte, und wenn man nicht wusste, dass es sich früher einmal um einen zivilisierten Ort gehandelt hatte, hätte man das leicht übersehen können. Nicht etwa das Grau einer osteuropäischen Stadt herrschte vor, sondern viel mehr das Grün des Naoh-Dschungels, der so gut wie alles verschlungen hatte.

Nikolaj stand in den Ruinen, dort wo er vor mehr als zwanzig Jahren gelebt hatte. Zumindest vermutete er das. Noch vor zehn Jahren hätte er blind jeden Ort in Nischyn gefunden, heute gab es keine Anhaltspunkte mehr. Er konnte sich nur auf seine Spürnase, seinen Orientierungssinn verlassen. Auf einen unbeteiligten Beobachter musste es beinahe gelangweilt wirken, wie der hoch gewachsene Mann mit den breiten Schultern in einem kleinen Trümmerhaufen herumstocherte, doch nichts hätte weiter von der Wahrheit entfernt sein können. Er stand immer unter Strom, wenn er in der Wildnis unterwegs war und er konnte - wenn es die Umstände erforderten - so schnell sein Sturmgewehr von den Schultern reißen und feuern, wie kaum ein anderer Mensch in der Ukraine.

Nach einigen Sekunden zog er ein altes Straßenschild aus den Trümmern hervor und wischte Staub und Dreck von der Blechoberfläche. "Hrebinka Dopora", flüsterte Nikolaj und konnte nicht anders als zu grinsen. Er kannte die Straße, die nur unwesentlich länger als drei- bis vierhundert Meter gewesen war. Fünf oder zehn Minuten und er würde dort stehen, wo sich früher sein Elternhaus befunden hatte. Er ließ seinen Blick über das dicht bewachsene Trümmerfeld wandern und schüttelte den Kopf. Er wusste, dass es wenig bis gar kein Sinn haben würde nach Hause zurückzukehren. Es wäre nichts mehr da. Dennoch konnte er nicht anders und setzte sich in Bewegung. Obwohl er einfach quer durch die Trümmer hätte laufen können, hielt er sich an die Straße oder zumindest das, was davon noch übrig und erkennbar war. Er wusste nicht warum er das tat. Irgendwie erschien es ihm pietätlos, durch die Ruinen der Häuser zu laufen, in denen früher einmal Freunde und Nachbarn gewohnt hatten.

Nach ein paar Minuten, ohne dass er einmal gestoppt oder gehadert hatte, blieb er vor den efeubewachsenen Grundmauern eines Hauses stehen. Dann ging er weiter. Jeder Schritt kam ihm vor als würde er durch ein unsichtbares Wattefeld wandern, sein Atem ging schwer und der Schweiß rann von seinem kahlrasierten Schädel. Er wusste genau wo er war. Sein Elternhaus, in dem er eine gute Kindheit und viele schöne Jahre verbracht hatte. Die Erinnerungen waren so weit weg, als wären sie nicht nur Hunderte von Jahren alt, sondern auch als hätte sich alles in einer anderen Welt zugetragen.

Er hatte eine Mission und die Zeit drängte, doch Nikolaj kannte sein Ziel und wusste seine eigenen Ressourcen einzuschätzen. Er lag voll im Zeitplan, besser als das, er hatte sich auf seiner mehrtägigen Reise nach Nischyn viele Bonus-Stunden erarbeitet, die er nun einzulösen gedachte. Er schaute sich um. Sein Blick wandere über die Ruinen und in den Himmel. Einige Vögel flogen kreischend über seinen Kopf. Dann atmete er tief durch und begann damit, in den Trümmern seiner Vergangenheit zu suchen.

Der nächste Teil erscheint am 19. März.